Einsamkeit

Durch die Einschränkungen in der Corona-Krise sind viele Menschen von Einsamkeit bedroht. Besonders diejenigen, die auch vor der Krise nur wenige Kontakte hatten, drohen nun völlig in die Einsamkeit zu rutschen. Aber auch ältere Menschen, die bisher durch viele Gruppen und Veranstaltungen soziale Kontakte halten konnten, sind plötzlich auf sich alleine gestellt.

Einsamkeit kann der seelischen und körperlichen Gesundheit schaden. Soziale Kontakte stärken unser Immunsystem, sodass ihr Wegfall nicht nur depressive Verstimmungen, sondern auch körperliche Erkrankungen beschleunigen kann. Das haben mehrere wissenschaftliche Studien ergeben (z.B. Luhmann und Kollegen, 2016). Je länger die Einsamkeit andauert, desto schwerer wird es einen Weg heraus zu finden.

Es geht nicht um „soziale Distanz“:

Der aus dem Englischen „social distancing“ abgeleitete Begriff ist trügerisch. Während es stimmt, dass eine räumliche Distanz von mindestens 1,5 m eingehalten werden muss und Ansammlungen von mehreren Menschen vermieden werden sollen, sollen wir uns nicht sozial voneinander distanzieren.
Ganz im Gegenteil. In Krisen brauchen Menschen Zusammenhalt und emotionale Nähe. Diese kann auch gegeben werden, wenn man sich nicht in den Arm nehmen kann.

  • Füllen Sie Ihren Terminkalender so, wie Sie es auch in normalen Zeiten machen würden. Machen Sie sich z.B. am Sonntag einen Wochenplan, den Sie mit Aktivitäten (auch Alltägliches wie Kochen, Putzen oder Fernsehen) füllen. Dann können Sie entscheiden, für welche Tage Sie noch Programmpunkte brauchen.
  • Sport in der Natur: Laufen, Spazieren oder Radfahren. Gerne auch mit einer zweiten Person und genug Abstand, falls diese nicht im gleichen Haushalt lebt. Planen Sie Bewegung an der frischen Luft fest in Ihren Wochenplan ein.Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, können eine*n Angehörige*n oder Nachbarn bitten (mit Maske!) mit Ihnen ein paar Meter die Straße auf und ab zu laufen.
  • Unterhalten Sie sich durchs Fenster, über Balkone oder über Straßen hinweg mit Nachbarn, Freunden oder Großeltern.
    Verabreden Sie sich zu diesen Treffen auf Distanz, wie Sie sich auch zu anderen Begegnungen verabreden würden. Vielleicht kann sogar jeder seine eigene Tasse Kaffee mitbringen, sodass die Treffen etwas an Normalität gewinnen.
  • Gehören Sie nicht zur Risikogruppe, aber können momentan nichts arbeiten? Dann fragen Sie in sozialen Einrichtungen, wie z.B. bei Die Tafel nach, ob Ihre Mitarbeit dort gebraucht werden kann. Auch Erntehelfer*innen oder Mitarbeitende in Supermärkten werden momentan häufig gesucht.
  • Können Sie das Haus nicht mehr verlassen, aber möchten sich gerne für andere engagieren?
    Sie können z.B. Nachbarn oder soziale Einrichtungen fragen, ob Sie für diese etwas backen oder nähen können, das dann abgeholt wird.
  • Rufen Sie bei Menschen an, mit denen Sie gerne sprechen würden.
    Kennen Sie niemanden, den Sie anrufen möchten, aber möchten trotzdem mit jemandem sprechen? Erkundigen Sie sich bei den Gemeinden oder Stadtverwaltungen Ihrer Region. Viele haben lokale, telefonische Gesprächsdienste eingerichtet.

    • „Silbernetz“ bietet unter der kostenlosen Nummer 0800 4 70 80 90 täglich von 8:00 bis 22:00 Uhr allen Personen ab 60 Jahren ein offenes Ohr. Bundesweit, kostenlos und anonym.
    • Außerdem sind unter der kostenlosen Telefonnummer 089 189 100 26 freiwillige Helfer*innen – „Telefon-Engel“ – erreichbar, die mit Senior*innen Gespräche gegen die Einsamkeit führen. Die Hotline ist sieben Tage die Woche von 08:00 bis 22:00 Uhr besetzt.
      Sie können sich auch selbst als ehrenamtliche*r Mitarbeiter*in bewerben. Mehr Infos unter https://retla.org/.
  • Weitere Ideen (bei vorhandenem Internet-Zugang):
    • Termine vereinbaren für Online-Treffen: Online-Spieleabende, Stammtisch via Skype, …
      In den Wochen seit Ausbruch der Krise haben viele Menschen gelernt, soziale Kontakte ins Netz zu verschieben. Über Videotelefonate, Chats und andere Formen des sozialen Austauschs kann mit Familienangehörigen und Bekannten der Kontakt aufrechterhalten werden.
    • Konzerte (alleine, oder mit anderen): Viele Orchester, Theater und Bands bieten nun kostenlose Online-Konzerte an. Schauen Sie auf der Webseite Ihrer Lieblingsgruppe danach oder lassen Sie sich von etwas Neuem überraschen.
      Auch im Fernsehen werden immer wieder Live-Auftritte gezeigt oder alte Konzerte wiederholt.
      Fragen Sie Bekannte, ob diese die Sendung gleichzeitig anschauen möchten, sodass Sie sich danach darüber austauschen können.
    • Sportkurse (alleine per Video oder live): Auf YouTube und anderen Plattformen finden sich sehr viele Videos, zu denen Sie Sport machen können. Falls Sie den sozialen Kontakt und die Interaktion brauchen: Viele Fitnesscenter, Tanzschulen und Sportvereine bieten über Videokonferenzen live Kurse an.
    • Gottesdienste und der Kontakt in Religionsgemeinden spielen besonders im Leben älterer Menschen oft eine große Rolle. Im Fernsehen werden jeden Sonntag viele Gottesdienste übertragen. Außerdem bieten viele Kirchen eine Aufzeichnung der örtlichen Pfarrer*innen im Internet an und die Kirchen sind oftmals für das eigene Gebet noch geöffnet. Pfarrer*innen und Seelsorger*innen können nach wie vor telefonisch erreicht werden.

Menschen, die keinen Internetzugang haben und keinen Zugang zu sozialen Medien finden, haben es in diesen Tagen besonders schwer. Vor allem jene mit einer dementiellen Erkrankung. Einsamkeit und der Verlust sozialer Kontakte kann eine dementielle Entwicklung beschleunigen.

Viele Menschen verstehen nicht, warum sie keinen Besuch mehr erhalten und können selbst keinen Kontakt mehr zu Menschen außerhalb aufnehmen, weil sie z.B. vergessen haben wie man ein Telefon bedient.

Ihnen muss deutlich gezeigt werden, dass sie nicht vergessen werden, so der Gerontologe Andreas Kruse.

 

  • Rufen Sie regelmäßig im Pflegeheim oder bei den Angehörigen (oder früheren Nachbarn etc.) an! Bitten Sie die Pflege diesen Kontakt zu unterstützen, z.B., indem Sie immer zu einer festen Uhrzeit anrufen. Bedanken Sie sich für eine solche Unterstützung.
  • Senden Sie Fotos, Bilder, Rätsel und Briefe.
  • Senden Sie eine Videobotschaft, falls diese technisch abgespielt werden kann. Sie können auch eine CD mit Lieblingsliedern und Sprachnachrichten aufnehmen, falls ein CD-Player zur Verfügung steht.
  • Stellen Sie ein „Fototagebuch“ zusammen, in welchem Sie Ihre Angehörigen über das Leben von Freunden, Kindern oder Enkelkindern während der Krise informieren.
  • Geistigen Input liefern:
    • Stellen Sie ein einfaches Buch oder Album mit den wichtigsten Informationen über die Person zusammen, am besten mit Fotos und kleinen, positiven Anekdoten aus dem Leben. So kann die Erinnerung an das Selbst möglichst lange erhalten bleiben.
      Menschen, die schnell Dinge wieder vergessen, können sich stets aufs Neue an einem solchen Erinnerungsstück freuen.
    • Spielen Sie normalerweise zusammen Spiele oder trainieren Sie anderweitig die geistige Fitness?
      Senden Sie den Personen einfache Rätsel oder Spiele, die sie selbstständig durchführen können.
      Fitteren Personen können Sie auch kleine Aufgaben zusenden und sie bitten, Ihnen die Lösung zurückzuschicken oder telefonisch mitzuteilen.
    • Es gibt inzwischen Tablets und Apps, die extra für Menschen mit geistigen Einschränkungen. Diese können die Kommunikation erleichtern und bieten oftmals viele Spiele um das Gedächtnis zu trainieren. Tablets bieten den Vorteil, dass die Benutzerfläche deutlich größer und damit besser erkennbar ist als beim Handy. Gleichzeitig lassen Sie sich sehr intuitiv bedienen. Dadurch können Tablets auch von Menschen mit fortgeschrittener Demenz und ohne jegliche Technikerfahrung bedient werden, wenn sie gut vorinstalliert sind.
      • medi4care (nicht ganz günstig)
      • Mehr Infos zu Tablets für Senioren finden Sie hier.

Ausführliche Informationen zur Situation von Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen, Tipps und Beschäftigungsideen finden Sie zudem auf der Webseite der Deutschen Alzheimergesellschaft und unter Pflege von Angehörigen und Familienmitgliedern.

Aktuell fühlen sich viele Menschen einsam. Manche zum ersten Mal in Ihrem Leben. Einsamkeit kann viele Formen haben. Sie kann auch dann auftreten, wenn man von außen betrachtet scheinbar viele Kontakte und Aufgaben hat.

Achten Sie auf sich. Wie geht es Ihnen? Sich die Gefühle zuzugestehen und anzuerkennen kann helfen. Vielleicht traut man sich dann eher auf andere zuzugehen und Strategien dagegen zu entwickeln.

Achten Sie auf die Menschen in Ihrem Umfeld. Fragen Sie bei Freund*innen nach, wie es ihnen mit der Situation geht.

Viele Menschen können sich einsam fühlen. Einige Beispiele:

  • Eltern, besonders alleinerziehenden Elternteilen, kann der Kontakt zu anderen Erwachsenen fehlen.
  • Kindern und Jugendlichen kann der Kontakt zu Gleichaltrigen fehlen.
  • Singles kann der Kontakt zu romantischen Partner*innen fehlen.
  • Mitbewohner*innen sind nicht immer gleich Freund*innen.
  • Ehepaare können den Kontakt nach außen vermissen.
  • Menschen, die normalerweise mit vielen anderen zusammenarbeiten und nun alleine arbeiten, können die Kolleg*innen fehlen.
  • Pflegende Angehörige können den Kontakt zur Außenwelt vermissen, wenn sie rund um die Uhr mit der pflegebedürftigen Person zusammen sind. [Hotline für Pflegefälle und pflegende Angehörige „Pflegetelefon“: 030 20179131]

Quellen:

Online Beratung