Angst

Viele Menschen sind aktuell besorgt und ängstlich, wie es mit dem Virus weitergehen wird. Bei manchen ist es ein allgemeines Gefühl der Sorge darüber, was noch kommen könnte oder die Angst davor, dass das deutsche Gesundheitssystem überlastet werden könnte oder eine Rezession eintritt. Andere quälen ganz konkrete Sorgen um die eigene wirtschaftliche Existenz oder die eigene Gesundheit.
Vieles sind reale Ängste, die verstärkt werden, weil niemand Gewissheit darüber hat, wie sich die Situation in den nächsten Wochen genau entwickeln wird. Bei anderen tritt aber vielleicht auch ein allgemeines Gefühl der Angst auf, dessen Ursache wenig bekannt ist. Hier finden Sie Tipps und Ideen, die Ihnen helfen können, besser mit diesen Ängsten umzugehen und sie zu reduzieren.

Wenn wir zu viel an das Virus (oder andere angsteinflößende Dinge) denken, nehmen wir es auch als gefährlicher war.

  • Stoppen Sie Gedanken wie „Wohin wird das alles führen?“ und versuchen Sie Ihr Grübeln zu unterbrechen.
    Übungen zum Gedankenstopp
  • Akzeptieren Sie die Angst und warten Sie ab, bis sie von selbst weniger wird. Sie können beobachten, wie die Angst abnimmt, wenn Sie sich nicht weiter in Ihre Gedanken hineinsteigern.
  • Das ist vermutlich nicht die erste Krise, die Sie überwinden. Denken Sie an all das, was Sie schon geschafft und hinter sich gebracht haben. Achten Sie außerdem bewusst auf kleine Erfolge in Ihrem Alltag.
  • Angstgefühle und damit einhergehende körperliche Symptome (Bauchschmerzen, schwitzende Hände, …) sind normale Körperreaktionen auf Stress. Eventuell sind sie etwas stärker als sonst, aber sie sind nicht gefährlich und gehen auch wieder vorbei!
  • „Corona spezifische“ Gedankentipps:
    • Egal wie lange die Krise noch geht, sie wird vorübergehen.
    • Wir sind dem Virus nicht hilflos ausgeliefert. Wenn wir zusammenhalten und die Hygienemaßnahmen einhalten, können wir etwas dagegen tun.
  • Atem- und Achtsamkeitsübungen können Ihnen helfen, die Gedanken weg von der Angst und den Grübeleien hin auf das Hier und Jetzt zu lenken. Achtsamkeit braucht Übung, seien Sie also nicht frustriert, wenn es nicht direkt beim ersten Versuch hilft.
  • Yoga, Sport oder andere körperliche Aktivitäten können ebenfalls helfen die Aufmerksamkeit von der Angst weg zu lenken.
  • Tun Sie etwas, das Ihnen gut tut und Freude bereitet.
  • Sorgen Sie sich um Familienangehörige und andere Menschen? Lenken Sie sich ab, indem Sie aktiv diesen Menschen helfen. Rufen Sie sie an, schreiben Sie ihnen einen Brief, gehen Sie für andere einkaufen, …
  • „Ablenken“ ist nicht das Gleiche wie „Verdrängen“. Verdrängen Sie Ihre Gefühle nicht, sondern akzeptieren Sie sie.
  • Reden Sie über Ihre Angst. Sie müssen sich nicht dafür schämen!
    Und sprechen Sie auch über Ihre persönlichen Strategien im Umgang mit der Pandemie. Wir erfahren Zusammenhalt und Gemeinschaft, wenn wir unsere Geschichten teilen und erfahren, dass es vielen Menschen geht wie uns.
  • Wenden Sie sich an Bezugspersonen. Nicht nur in der Corona-Krise ist es für ängstliche Menschen wichtig Bezugspersonen zu haben, denen sie vertrauen können, die ihnen Hoffnung machen oder vielleicht auch Hilfe vermitteln können.
  • Kennen Sie niemanden, den Sie anrufen möchten, aber möchten trotzdem mit jemandem sprechen? Erkundigen Sie sich bei den Kirchengemeinden oder Stadtverwaltungen Ihrer Region. Viele haben lokale, telefonische Gesprächsdienste eingerichtet, bei denen Sie Menschen erreichen, die sich über Ihren Anruf freuen.
    Menschen über 60 erreichen unter der Nummer 0800 4 70 80 90, https://www.silbernetz.org/, täglich zwischen 8:00 und 22:00 Uhr jemanden zum Reden.
  • Angst wird durch negative Nachrichten in den Medien gefördert. Rund um die Uhr findet man auf allen Kanälen beängstigende Nachrichten zu der Corona-Lage in Deutschland und der Welt. Reduzieren Sie deshalb Ihren Nachrichtenkonsum. 1-2mal am Tag die Nachrichten schauen oder in der Zeitung lesen reicht vollkommen aus, um informiert zu bleiben.
  • Bedenken Sie auch, dass negative Nachrichten bessere Schlagzeilen machen. Gute, aber langweilige Nachrichten werden von den Medien nicht gesendet. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass es viel mehr schlimme Dinge in der Welt gibt, als Gutes. Achten Sie bewusst auch auf positive Nachrichten und Informationen.
  • Gute, vertrauenswürdige Informationen können uns helfen, die Situation richtig einzuordnen und richtig zu reagieren. Informieren sie sich bei vertrauenswürdigen Quellen wie der Webseite des Robert Koch-Instituts, des Bundesgesundheitsministeriums oder der Weltgesundheitsorganisation.
  • In lokalen Zeitungen oder Amtsblättern und auf Webseiten der Städte und Gemeinden bekommen Sie Informationen zu den konkreten Regeln und Unterstützungsmöglichkeiten in Ihrer Region.

Es kann hilfreich sein zu verstehen, woher die Angst kommt. Angst ist zunächst eine natürliche Reaktion des Menschen, eine Art Warnsystem um ihn vor gefährlichen Situationen zu schützen.
Diese Reaktionen kennen wir auch aus der Tierwelt: Ein Pferd, das eine Gefahr (z.B. ein Raubtier) wittert, bekommt Angst. In dem Moment, in dem es Angst bekommt, flieht es und bringt sich so vor der Gefahr in Schutz.

Angst und Sorge haben damit auch eine gute Seite, sie helfen uns vorsichtig zu sein und zum Beispiel Hygienemaßnahmen einzuhalten. Sorgen um andere helfen uns, solidarisch zu sein und uns gegenseitig zu unterstützen.

Ängste und Sorgen dürfen jedoch nicht zu viel Raum in unserem Leben einnehmen. Eine andere natürliche Reaktion auf Angst ist eine Art „erstarren“. Auch das kennen wir aus der Tierwelt. „Erstarren“ vor Angst heißt aber für uns Menschen, dass wir nicht mehr handlungsfähig sind, dass die Angst uns daran hindert unseren Alltag zu meistern und die positiven Dinge im Leben wahrnehmen und genießen zu können.

  • Angst ist ein normales und überlebenswichtiges Gefühl. Wenn es jedoch unangemessen oder stärker als notwendig ist, zu lange oder zu häufig auftritt, kann es sein, dass es sich um eine Angststörung handelt.
    • Hauptmerkmal der Angststörungen ist eine irrationale oder übermäßige Angst.
    • Formen der Angststörung:
      • Phobien:
        Menschen haben große Angst vor bestimmten Situationen oder Gegenständen und meiden diese folglich, obwohl sie wissen, dass die Angst irrational ist.
        Beispiele sind Spinnenphobien, Höhenangst oder Angst vor Ansammlungen von Menschen.
      • Panikstörung:
        Es treten kurze, plötzliche Attacken sehr starker Angst auf. Manche Menschen fangen an zu zittern, geraten in Atemnot, hyperventilieren oder ihnen wird schwindelig.
      • Generalisierte Angststörung:
        Die Betroffenen haben anhaltend eine übermäßig große Angst, die unkontrollierbar scheint. Sie sorgen sich die ganze Zeit und sind müde und erschöpft.
      • Posttraumatische Belastungsstörungen:
        Langanhaltende Angst und emotionale Erstarrung nach einem schweren traumatischen Ereignis. Das Trauma wird in qualvollen Erinnerungen und in Albträumen immer wieder durchlebt und schränkt die Betroffenen in ihrem Alltag und ihren sozialen Beziehungen ein.
    • Behandlung von Angststörungen:
      • Eine frühe Behandlung von Angststörungen ist wichtig, da sie sich sonst chronifizieren können und sich auf alle Lebensbereiche auswirken.
      • Die meisten Angststörungen können durch ambulante Psychotherapien behandelt werden. Sehr starke Angststörungen können aber auch stationär behandelt werden.

 

  • Anonyme Hilfsangebote:
    • TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123. Die Gespräche erfolgen kostenlos und anonym.
    • Die BDP-Corona-Hotlinerichtet sich an alle, die durch die aktuelle Situation psychisch belastet sind. Die telefonische Beratung durch professionelle Psychologinnen und Psychologen erfolgt kostenlos und anonym. Telefon: 0800 777 22 44, täglich von 8:00 bis 20:00 Uhr.

Quellen:

Online Beratung