Sucht und Alkoholmissbrauch

  • Viele Kontrollen fallen weg, die vor der Krise einen exzessiven und übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsum verhindert haben:
    • Wenn Menschen den ganzen Tag zu Hause sind, fallen wichtige soziale Kontrollen weg. Wer nicht auf der Arbeit erscheinen muss, sondern von zu Hause arbeitet, in Kurzarbeit nicht arbeiten kann oder arbeitslos ist, kann schon ab dem Morgen trinken, ohne dass es jemandem auffällt.
    • Die „Happy Hour“, der Zeitpunkt, ab welchem es sozial angemessen erscheint Alkohol zu konsumieren, beginnt in der Corona-Krise früher als sonst. Damit werden die Abende länger, wodurch mehr Alkohol konsumiert werden kann als bisher.
      Tipp: Halten Sie auch während dieser Krise eine Tagesstruktur ein. Mehr Informationen dazu finden Sie unter Tagesstruktur.
    • Für Menschen, die schon früher Probleme mit Alkoholmissbrauch hatten, für Alkoholiker*innen und „trockene“ Alkoholiker*innen kann es besonders schwer sein. Unterstützungsmaßnahmen wie Selbsthilfegruppen fallen aus und die Menschen sind mehr auf sich alleine gestellt.
      Tipp: Psychotherapien finden in der Regel nach wie vor statt: persönlich, telefonisch oder online. Fragen Sie bei den Therapeut*innen, in Kliniken oder bei der Leitung ihrer Selbsthilfegruppe nach, ob es alternative Angebote gibt.
  • Viele Menschen sind einsam und langweiligen sich in der Isolation und greifen dadurch schneller zum Alkohol oder zu anderen Substanzen.
    Tipp: Lenken Sie sich ab! Probieren Sie etwas Neues aus; machen Sie Sport, lesen Sie ein Buch, kochen Sie, engagieren Sie sich oder pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte digital oder telefonisch. Mehr Informationen: 9 Schritte und Einsamkeit
  • Frustration, Sorgen und Ängste, die durch die Corona-Krise ausgelöst oder verstärkt werden, führen dazu, dass viele Menschen mehr Alkohol trinken, Beruhigungstabletten oder andere Substanzen einnehmen. Zum Beispiel, weil sie ihre Sorgen vergessen und sich besser fühlen möchten.
    Tipp: Finden Sie neue Strategien um mit Sorgen und Ängsten umzugehen und sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Probleme.

Aufklärungsplakat der Weltgesundheitsorganisation (WHO): „Regelmäßiger oder exzessiver Konsum von Alkohol kann Ihr Risiko für gesundheitliche Probleme erhöhen. Fakt: Das Trinken von Alkohol schützt NICHT vor COVID-19 und kann gefährlich sein.“

  • Krankheitsanfälligkeit
    Alkohol und andere Substanzen schwächen das Immunsystem und werden mit einer Reihe anderer Krankheiten in Verbindung gebracht. Dadurch werden Sie auch leichter anfällig für Covid-19. Auch Zigaretten schwächen Ihr Immunsystem.
  • Verminderte Intelligenz
    Durch Alkohol und andere Drogen sterben Gehirnzellen ab. Das Gedächtnis, die Konzentration und die Intelligenz können bei regelmäßigem Konsum langfristig abnehmen.
  • Aggression und Gewalt
    Durch Alkoholkonsum steigt das Aggressionspotenzial und damit die Gefahr für häusliche Gewalt.
  • Abhängigkeit
    Regelmäßiger Alkoholkonsum führt zu Sucht und Abhängigkeit.
  • Zunahme psychischer Probleme
    Auch wenn viele Menschen denken, dass Sie psychische Probleme, Ängste und Depressionen „wegtrinken“ können. Das ist NICHT der Fall! Erhöhter Alkoholkonsum verstärkt langfristig die psychischen und sozialen Probleme (Aiysha Malik, WHO Europa, Abteilung für psychische Gesundheit und Substanzmissbrauch).
  • Frühe Sterblichkeit
    Durch Alkohol und Drogenkonsum steigt das Risiko für viele lebensgefährliche Erkrankungen, wie Krebs, Schlaganfälle oder schwere Herzrhythmusstörungen.
    Außerdem erhöhen sich das Unfallrisiko und die Gefahr für Selbstverletzungen. Besonders das schnelle Trinken von hochprozentigem Alkohol kann zu einer Alkoholvergiftung führen und der Konsum von Drogen wie Kokain oder Heroin zu einer tödlichen Überdosis.
  • Reduktion
    Versuchen Sie frühzeitig Ihren Konsum zu reduzieren, solange Sie noch keine Abhängigkeitssymptome haben.
    Tipp: Nehmen Sie sich erreichbare Ziele vor. Formulieren Sie diese Ziele sehr klar und schreiben Sie sie auf. Mögliche Sätze könnten sein:
  • „Ich trinke keine alkoholhaltigen Getränke, wenn ich schlecht drauf bin“.
  • „Ich lege eine Uhrzeit fest, zu der ich frühestens das erste alkoholische Getränk am Tag trinke (z.B. kein Alkohol vor 18 Uhr)“.
  • „Ich lege eine Zeit fest, die mindestens zwischen zwei Gläsern/Flaschen Alkohol vergehen muss. Ein guter Wert ist eine Stunde“.
  • „Ich trinke nicht alleine“.
  • „Ich erzähle meinen Freunden davon, dass ich meinen Alkoholkonsum reduziere bzw. für eine Weile auf Alkohol verzichte“.

(Diese Sätze sind eine Auswahl der Tipps des Programms „Change your drinking“ von drugcom.de)

  • Tagebuch
    Führen Sie Tagebuch über Ihren Konsum. Dadurch können Sie die Situation besser einschätzen, Risikosituationen erkennen (zum Beispiel, dass Sie immer nach einem Streit trinken) und Expert*innen besser über Ihren Konsum informieren, wenn Sie sich dazu entscheiden, professionelle Hilfe zu suchen.
  • Kein kalter Entzug
    Machen Sie alleine KEINEN kalten Entzug (völliger Verzicht von „heute auf morgen“). Die Entzugserscheinungen können für Sie und Ihre Gesundheit sehr gefährlich sein. (Nur bei Zigaretten, also Nikotinabhängigkeit, kann selbstständig ein Entzug durchgeführt werden).
  • Holen Sie sich professionelle Hilfe!

Quellen:

Online Beratung