Depression

Jeder Mensch wird ab und zu zornig oder traurig und empfindet  Gefühle wie Freude oder Angst. Bei Menschen ohne Depression schwanken diese Gefühle und hängen davon ab, was wir gerade tun. Oftmals lassen sich negative Gefühle und Gedanken durch positive Tätigkeiten oder Erlebnisse abbrechen. Traurigkeit geht in der Regel nach einer Weile vorbei und meistens gibt es für sie eine Erklärung.
Bei einer Depression halten die negativen Gefühle oder die Abwesenheit von Gefühlen meist länger an als bei Menschen ohne Depression und die Betroffenen n erleben mehrere dieser negativen Symptome gleichzeitig.
Vermuten Sie, dass Sie oder Angehörige an einer Depression leidern? Auf dieser Seite finden Sie einige Erklärungen, Tipps und Hinweise.

  • In der Regel spielen äußere und soziale Faktoren, wie Stress und schwierige Lebensereignisse eine Rolle, man spricht auch von seelischen Belastungen und traumatischen Faktoren.
  • Auch die „Corona-Krise“ ist ein solch belastender äußerer Faktor.
  • Auch körperliche Krankheiten wie Schlaganfall, schwere Herzerkrankungen oder Schilddrüsenunterfunktionen.
  • Aber auch Dinge, die man nicht sehen kann, können für eine Depression verantwortlich sein. So sind bei einer (schweren) Depression „Botenstoffe“ im Zentralnervensystem im Ungleichgewicht.
  • Meistens kommen verschiedene dieser möglichen Ursachen zusammen. Expert*innen sprechen deshalb auch vom „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“ oder vom „Bio-psycho-sozialen Modell“.
  • Eine Depression wirkt sich auf Gefühle, Gedanken, Verhalten und Körper aus. Diese beeinflussen sich gegenseitig:
    Das ABC-Modell der Depression

    Das ABC-Modell der Depression

  • Eine Geschichte, die dieses Zusammenspiel deutlich macht, ist die Geschichte vom Mann mit dem Hammer von Paul Watzlawick (2015) in „Anleitung zum Unglücklich sein“:
    “Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er “Guten Tag” sagen kann, schreit ihn unser Mann an: “Behalten Sie Ihren Hammer”.
    Unter “Was kann ich gegen eine Depression machen” finden Sie dagegen die Übung “Gedankenstopp”.
  • Auch Körperhaltung und Stimmung beeinflussen sich gegenseitig.
    Unter “Was kann ich gegen eine Depression machen” finden Sie dagegen die Übung “Körperhaltung”.
  • Die „Abwärtsspirale der Depression“:
    Zwischen dem Verlust von positiven Dingen im Alltag und der Depression kann sich ein „Teufelskreis“ entwickeln:
  • Durch Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen und gut tun, können Sie diese negative Spirale aber unterbrechen:

    Unter “Was kann ich gegen eine Depression machen” finden Sie dafür die Übung “angenehme und positive Aktivitäten”.
  • Typische Gedanken, Gefühle, körperliche Veränderungen und Verhaltensveränderungen, die bei einer Depression auftreten können:
  • Bei einer Depression halten diese Symptome meist länger an als bei Menschen ohne Depression und die Betroffenen n erleben mehrere dieser negativen Symptome gleichzeitig.
  • Hier ist ein kurzer Test, mit dem Sie herausfinden können, ob Sie vielleicht eine Depression haben. Dieser Test ersetzt keine Diagnostik durch Expert*innen. Vielleicht kann er Ihnen aber dabei helfen, Ihre Gefühlslage besser einzuschätzen.

Allgemeine Tipps zum Erhalt oder zur Wiederherstellung der psychischen Gesundheit finden Sie in den 9 Schritten. Diese Tipps gelten auch für eine Depression oder bei einer depressiven Verstimmung.

Ist es wahrscheinlich, dass Sie eine Depression haben? Dann suchen Sie sich professionelle Hilfe. Expert*innen können Ihnen helfen eine Psychotherapie und/oder sinnvolle Medikamente zu erhalten und machen eine ausführliche Diagnostik.

Übungen

  • Übung: “Angenehme und positive Aktivitäten”
    • Bauen Sie in Ihren Tages- oder Wochenplan bewusst positive Aktivitäten ein.
      Beispiel: Jeden Tag um 17.00 einen Spaziergang machen; immer samstags einen Lieblingskuchen backen; …
    • Wenn es Ihnen schwerfällt diese positiven Dinge umzusetzen: Belohnen Sie sich danach für die Umsetzung! Überlegen Sie sich die Belohnung schon im Voraus.
    • Beispiel: Sie haben sich als positive Aktivität vorgenommen eine gute Freundin anzurufen. Sie haben lange nicht mehr mit ihr gesprochen. Der Anruf kostet Sie viel Überwindung, lieber würden Sie einfach auf dem Sofa liegen bleiben und fernsehen. Im Keller haben Sie noch eine Packung Ihrer Lieblingskekse, auf die Sie schon lange Lust haben. Nach dem Telefonat gönnen Sie sich ein paar dieser Kekse als Belohnung.
  • Übung „Gedankenstopp“:
    Denken Sie die ganze Zeit über negative Dinge nach und können es nicht sein lassen? Vielleicht grübeln Sie dauernd und merken es selbst gar nicht mehr. Um sich wieder auf positive Dinge konzentrieren zu können, kann es helfen dieses Grübeln zu unterbrechen. Zuerst muss man jedoch bemerken, dass man gerade wieder viele negative Gedanken hat. Hier ein paar Tipps:

    •  Kleben Sie einen roten Punkt oder ein Post-It an eine Stelle in der Wohnung, an der Sie oft vorbei kommen. Halten Sie kurz inne, wenn Sie den Punkt sehen. Woran denken Sie gerade? Wenn es negative Gedanken sind, versuchen Sie Ihre Aufmerksamkeit nun bewusst auf etwas Anderes zu lenken.
    • Auch Achtsamkeitsübungen können in solchen Momenten helfen.
  • Übung „Körperhaltung“:
    Negative Körperhaltungen verstärken negative Gefühle. Andersherum verstärken positive Körperhaltungen positive Gefühle.

    • Halten Sie mehrmals am Tag bewusst inne (vielleicht auch mithilfe eines roten Punkts).
    • Atmen Sie tief durch.
    • Richten Sie sich auf.
      Stehen Sie auf, bringen Sie die Schulterblätter nach hinten, machen Sie Ihren Rücken gerade und stellen Sie sich vor Ihr Kopf wird vorsichtig Richtung Decke gezogen.
    • Versuchen Sie zu lächeln. Lächeln Sie vielleicht sogar Ihr Spiegelbild an.
    • Wie geht es Ihnen nun?

Haben Sie selbst keine Depression, aber lesen hier für eine andere Person nach? Hier sind einige Tipps, wie Sie sich als Angehöriger richtig verhalten.

  • Beteiligen Sie sich an der Aufklärung über die Erkrankung. Sprechen Sie über das Thema Depression.
  • Zeigen Sie Verständnis für die Situation der erkrankten Person.
  • Versuchen Sie nicht, die depressive Person aufzumuntern. Das kann dazu führen, dass die Person noch mehr das Gefühl bekommt, versagt zu haben.
  • Wohnen Sie mit einer depressiven Person zusammen?
    • Achten Sie einfühlsam darauf, dass die Person ihre Medikamente nimmt und Termine bei Ärzt*innen und Therapeut*innen wahrnimmt.
    • Menschen mit Depression können dies schon als große Belastung wahrnehmen, vor allem, wenn sie nicht an die eigene Heilung glauben.
  • Unterstützen Sie die Person dabei, einen geregelten Tagesablauf zu haben.
    Bevormunden Sie sie bitte nicht. Zum Beispiel können Sie sich regelmäßig zu festen Zeiten zum Spazierengehen verabreden (Momentan, wenn Sie nicht im gleichen Haushalt leben, mit 2 Metern Abstand).
  • Überfordern Sie die Person nicht.
  • Werden Selbstmordgedanken geäußert? Unbedingt ernstnehmen!
    Sprechen Sie mit der Person und rufen Sie den behandelnden Arzt. Ist die Person akut selbstmordgefährdet? Dann können Sie auch den Notruf rufen.
  • Einen psychisch kranken Menschen zu unterstützen kann belastend für die Helfenden sein. Achten Sie auf sich selbst, schaffen Sie sich Freiräume und nutzen Sie Unterstützungsangebote, wie zum Beispiel Angehörigengruppen. Tipps für Ihre eigene Gesundheit finden Sie in den 9 Schritten.

Quellen:

  • Eberle, Christine: Depressionsbewältigungsgruppe. Manual und Patienteninformation. Hg. v. MediClinKlinik am Vogelsang.
  • Kizilhan, Jan Ilhan (2018): Psychoedukation bei Traumastörungen. Manual für die Gruppenarbeit mit MigrantInnen und Geflüchteten. [1. Auflage]. Lengerich: Pabst Science Publishers.
  • Watzlawick, Paul (2015): Anleitung zum Unglücklichsein. Taschenbuchsonderausg., 28. Aufl. München: Piper (Serie Piper, 4938).
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