Die aktuelle Krise mit all ihren Unsicherheiten und Einschränkungen belastet fast alle Menschen. Hier finden Sie 9 Tipps dazu, wie Sie besser mit dieser und anderen Krisen umgehen können.

Versuchen Sie nicht Ihre negativen Gefühle zu unterdrücken. Negative Gefühle darf man wahrnehmen und anerkennen. Nur, belassen Sie es nicht dabei.

Unterstreichen Sie positive Gefühle! Das scheint so einfach gesagt, weil viele Dinge wegfallen, die Ihnen sonst Freude bereiten. Doch positives Denken kann man trainieren. Vielleicht gibt es kleine andere Dinge, an denen Sie sich nun freuen können oder die Ihnen Spaß machen.

Tipps und Ideen:

  • Manchen Menschen hilft es ihre negativen Gefühle aufzuschreiben (was belastet Sie, was macht Ihnen Angst, was vermissen Sie, worauf freuen Sie sich).
  • Positive Gefühle festhalten und aufbauen:

Im Zeitalter der digitalen Medien und Telefone ist es zum Glück nicht mehr so schwer, trotz Ausgangsbeschränkungen in Kontakt zu bleiben. Mit Freunden oder Angehörigen über den Umgang mit der Krise, Gefühle und Ängste oder schöne andere Dinge zu reden, kann entlasten und Stress reduzieren.

Sie selbst wissen am besten, welche sozialen Kontakte Sie brauchen. Melden Sie sich bei diesen Menschen! Erkundigen Sie sich bei den Menschen, um die Sie sich sorgen oder die sich um Sie sorgen könnten.

Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie regelmäßige Termine für die Kontakte vereinbaren. Zum Beispiel einmal täglich oder einmal wöchentlich zur selben Tageszeit ein kurzer Anruf bei guten Freunden oder jeden Morgen um die gleiche Uhrzeit mit der Nachbarin auf dem anderen Balkon einen Kaffee trinken, …

Setzen Sie sich nicht unter Druck alle Kontakte aufrecht erhalten zu müssen – halten Sie vor allem die Kontakte, die Ihnen gut tun.

Kennen Sie niemanden, den Sie anrufen möchten, aber möchten trotzdem mit jemandem sprechen? Erkundigen Sie sich bei den Kirchengemeinden oder Stadtverwaltungen Ihrer Region. Viele haben ebenfalls lokale, telefonische Gesprächsdienste eingerichtet.
Menschen ab 60 erreichen unter 0800 4 70 80 90 (https://www.silbernetz.org/) Leute, die sich über ihren Anruf freuen.

Schämen Sie sich nicht dafür, dass Sie Hilfe brauchen!

  • Reden Sie mit anderen (Schritt 2)
  • Hilfe für den Alltag finden:
    Nachbarschaftsorganisationen bieten Hilfe beim Einkaufen, Besorgungen und ähnlichen Aufgaben an. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde, Ihren Nachbarn oder der Lokalzeitung danach.
    Kennen Sie sich wenig mit dem Internet aus und finden kein Angebot? Bitten Sie jemanden mit Erfahrungen Ihnen bei der Suche zu helfen.
  • Hilfe bei rechtlichen und finanziellen Fragen finden Sie u.a. beim Deutschen Gewerkschaftsbund oder bei wbs-law.de.
  • Professionelle Hilfe finden:
    Haben Sie bisher kein passendes Angebot gefunden oder ist die psychische Belastung zu hoch?
    Haben Sie Angst das alles nicht mehr alleine bewältigen zu können?
    Dann sollten Sie sich vielleicht professionelle Hilfe suchen.
    Wenden Sie sich an Hausärzte, Ambulanzen der Kliniken und psychosoziale Beratungsstellen in Ihrer Region.
    Psychologische und ärztliche Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen sind zuständig für eine spezifische und fachgerechte Diagnostik und Behandlung. Immer mehr bieten auch Telefon – oder Videoberatung an.
    Schreiben Sie auch uns gerne über das Kontaktformular. Wir versuchen Ihnen weitere Kontakte zu vermitteln.
  • Hilfe bei Gewalt

Aktivitäten, Sport und frische Luft sind ein wichtiges Mittel bei psychischen Belastungen und gegen psychische Erkrankungen, besonders bei Depressionen. Leider ist genau das durch die aktuelle Situation eingeschränkt. Yoga im Wohnzimmer, alleine laufen gehen, Gartenarbeit oder Tanzen in der Küche dürfen Sie aber weiterhin. Im Internet finden sich viele Videos und Anleitungen für Übungen zu Hause. Sie können auch bei ihren lokalen Vereinen und Fitnesscentern nachfragen. Es kann helfen, eine feste Zeit am Tag für den Sport einzuplanen, zum Beispiel im Tages- oder Wochenplan.

Setzen Sie sich für ein paar Minuten am Tag in die Sonne (bitte beachten Sie dabei die Regeln zum Schutz der Haut).

„Sonnetanken“ ist ein effektives Mittel gegen Depressionen und negative Gefühle. Falls Sie unter Quarantäne stehen und keinen Balkon oder Garten zur Verfügung haben, halten Sie das Gesicht aus dem Fenster in die Sonne!

Routine ist wichtig, auch in Ausnahmezeiten und im Homeoffice. Aufstehen am Morgen, regelmäßige Mahlzeiten und Pausen können Ihnen etwas mehr Kontrolle über die Situation geben. Ein Tages- oder Wochenplan kann dabei helfen. Planen Sie stets schöne Dinge wie Spaziergänge oder kleine Belohnungen mit ein.
Mehr Informationen finden Sie unter Ein neuer Alltag – Tagesplan, Medien und Arbeit.

Studien haben gezeigt, dass Engagement und Aktivitäten eine positive Wirkung auf unsere Stimmung haben. Wenn wir aktiv für etwas arbeiten oder uns für etwas einsetzen, reduziert das das Gefühl von Hilflosigkeit.

Die aktuelle Pandemie macht Angst, weil wir das Gefühl haben, nichts gegen sie in der Hand zu haben und selbst Politiker*innen und Wissenschaftler*innen oftmals hilflos scheinen. Doch es gibt viele Formen sich zu engagieren und Solidarität zu zeigen. Besonders dann, wenn Sie selbst nicht zur Risiko-Gruppe zählen.
Erkundigen Sie sich, welche Möglichkeiten es in Ihrer Region gibt (Nachbarschaftshilfen, Telefongespräche, Blutspendeaktionen, …) und auch mit anderen reden (Schritt 2) kann schon viel verändern.

Vielleicht sind Sie durch Ihre Arbeit aber auch schon indirekt oder direkt an der Bekämpfung des Virus beteiligt – denken Sie daran.

Sind Sie mit der Hilfe und Betreuung anderer überfordert? Mehr Informationen dazu finden Sie unter Familie und Beziehungen.

Im Internet und anderen Medien kursieren viele Informationen über das Coronavirus. Vieles davon sind Falschmeldungen. Informieren sie sich bei vertrauenswürdigen Quellen wie der Webseite des Robert Koch-Instituts, des Bundesgesundheitsministeriums, oder der Weltgesundheitsorganisation.

Die Nachrichten können Angst verstärken und erzeugen Stress. Vielleicht schlafen Sie danach schlecht oder denken den ganzen Tag darüber nach.
Reduzieren Sie deshalb Ihren Medienkonsum. Infomieren Sie sich regelmäßig, aber tun Sie es bewusst. Wenn Sie ihr Smartphone oder das Internet benutzen, begegnen Ihnen ständig Nachrichten zum Corona-Virus. Lesen Sie das nicht alle Informationen. Räumen Sie Zeiten ein, in denen Sie gezielt und konzentriert die Nachrichten verfolgen.

Gedanken und Sorgen abschalten und den Körper entspannen kann man üben.
Nehmen Sie sich Zeit dafür. Atmen Sie bewusst tief ein und aus. Es gibt viele verschiedene Entspannungsverfahren und Achtsamkeitsübungen. Probieren Sie aus, was für Sie am besten passt. Die Übungen eigenen sich zum Beispiel, um quälende Gedanken, Grübeln oder Ängste zu unterbrechen oder können beim Einschlafen helfen. Sie können Sie aber auch einfach so in Ihren Alltag einbauen.

  • PMR (Progressive Muskelrelaxation)
  • Einfache Achtsamkeitsübung „5 Dinge“ (gut für Anfänger)
    Ziel der Übung ist es, andere Gedanke abzuschalten und im „Hier und Jetzt“ anzukommen. Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“ bei der Übung.

Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck und denken Sie an das, was Sie in diesen Tagen und Ihrem Leben schon alles geschafft haben. Sie verdienen Anerkennung!
Studien zeigen: Wenn wir uns daran erinnern, wozu wir fähig sind, schaffen wir viele Dinge leichter.

Vielleicht scheint es Ihnen, als müssten Sie nun alles Liegengebliebene aufholen, oder viele neue Dinge lernen. Das ist nicht der Fall. Sie müssen sich nicht optimieren.

Idee:

  • Schaffen Sie es gerade nicht, an sich selbst zu glauben? Dann bitten Sie Freunde oder Bekannte Ihnen drei positive Eigenschaften zu nennen, die die Person an Ihnen schätzt.
  • Die Corona-Krise ist nicht das erste Mal, dass Sie sich an Veränderungen anpassen müssen. Denken Sie daran, wie Sie bisherige Veränderungen in Ihrem Leben gemeistert haben (Schulwechsel, Arbeitsplatzwechsel, Partnerschaft, Geburt der Kinder…) und was Ihnen dabei geholfen hat.
    Sie können Veränderungen bewältigen!

Quellen:

Informationsportal zur psychischen Gesundheit für Kinder und Jugendliche:

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