Körperlich und seelisch gesund bleiben

Das Corona-Virus kann auch in Flüchtlingsunterkünften vorkommen. Hier leben oft viele Menschen auf engem Raum zusammen. Manche Räume werden von vielen Menschen gemeinsam genutzt. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie die Empfehlungen zur Hygiene und zum Verhalten sorgfältig einhalten. Dadurch kann eine Ansteckung vermieden werden. Halten Sie sich Ihre Armbeuge vor den Mund, wenn Sie husten oder niesen müssen. Waschen Sie sich häufig und sorgfältig Ihre Hände. Benutzen Sie, wenn möglich, einen Mundschutz.

Bleiben Sie mit Freunden und Bekannten in Kontakt. Benutzen Sie dafür zum Beispiel das Telefon und soziale Medien. Vermeiden Sie es, in die Stadt zu gehen oder Freunde an traditionellen Orten zu besuchen. Auch wenn keine Quarantäne vorgeschrieben ist. Helfen Sie dadurch mit, dass das Virus nicht weiterverbreitet wird.

Akzeptieren Sie Ihre Gefühle: Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit kann verschiedene Gefühle hervorrufen. Das kann zum Beispiel Traurigkeit, Wut, Hilflosigkeit oder Unverständnis sein. Das sind normale Reaktionen auf die unnormale Situation. Nur wenn Sie sich diesen Gefühlen bewusst sind, können Sie Ihren Alltag gut neu organisieren und das Beste daraus zu machen.

Bewahren Sie sich eine positive Sichtweise und orientieren Sie sich an Werten wie Familie, Glaube, Solidarität, soziale Netze etc., die Ihnen Halt geben. Denken Sie daran, wie viele Krisen Sie in Ihrem Leben schon gemeistert haben.

Psychisch oder auch seelisch gesund sind Sie, laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wenn folgende Punkte zutreffen:
Sie fühlen sich wohl. Sie sind in der Lage, mit Problemen im Alltag umzugehen und eine Lösung zu finden. Sie können produktiv arbeiten oder guten Aktivitäten nachgehen.
Sie können etwas für sich und Ihre Gemeinschaft tun.

Zeichen für eine psychische Erkrankung können leichte Einschränkungen des Wohlbefindens sein, aber auch schwere Störungen. Das können zum Beispiel belastende Gedanken, Sorgen und Ängste, Schlafstörungen, Schwierigkeiten bei der Konzentration, eine tiefe Traurigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung oder Einsamkeit sein. Ursachen dafür sind oft körperliche Erkrankungen oder schreckliche Erfahrungen durch Gewalt, Krieg und Flucht oder schwere Familienprobleme.

Außergewöhnliche verletzende oder lebensbedrohende Erlebnisse können auch für lange Zeit danach Spuren in der Psyche oder Seele hinterlassen. Das können Ängste, wiederkehrende Alpträume, Schlafstörungen, ständige Erinnerungen an die Erlebnisse oder eine ständige Anspannung sein. Es kann auch sein, dass bestimmte Situationen vermieden werden, um nicht an das Erlebnis erinnert zu werden, oder dass Erinnerungen fehlen. In einem solchen Fall spricht man von einem Trauma und von Traumafolgestörungen.

Wichtig: Eine solche Traumastörung ist eine normale Reaktion der Psyche bzw. Seele auf eine extrem verletzende („verrückte“) Situation!

Wenn Sie im Herkunftsland, auf der Flucht oder hier Schlimmes erlebt oder beobachtet haben, kann es sein, dass Sie von solchen Traumafolgestörungen betroffen sind. Es kann sein, dass die Symptome besser waren und durch die Corona-Krise wieder häufiger oder verstärkt auftreten. Das Gedächtnis wird durch die aktuelle Belastung an die bereits erlebten, belastenden Ereignisse erinnert.

Eine häufige Form der Traumafolgestörungen ist die „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS). Diese kann auch erst nach mehreren Monaten oder Jahren nach dem schlimmen Erlebnis auftreten. Manchmal kann es schwierig sein, das schlimme Erlebnis als Ursache für die Beschwerden zu erkennen.

  • Wiedererleben (zum Beispiel sich aufdrängende Erinnerungen, Albträume, Flashbacks)
  • Vermeidungsverhalten (Erinnerungen, Gedanken, Gefühle, wie auch Menschen, Gespräche, Orte oder Handlungen, die an das traumatische Ereignis erinnern, werden vermieden)

→ dadurch besteht bei der Behandlung die Gefahr, dass das Trauma als eigentliche Ursache für die Beschwerden nicht erkannt wird!

  • Negative Gedanken, Stimmungen und Gefühle überwiegen (zum Beispiel Misstrauen, Angst, Panik, Wut, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Scham oder Schuld, aber auch Abgestumpftheit oder Gefühlskälte)

→ häufig folgt der Rückzug von Familie und Freundeskreis
→ positive Gefühle, wie zum Beispiel Glücksempfinden, Befriedigung oder Zärtlichkeit gehen verloren

  • Übererregung (ständige Alarmbereitschaft, keine Ruhe und Entspannung, Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen, erhöhte Schreckhaftigkeit, aufbrausende Wut und Aggression, Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit)

→ Es ist sehr wichtig, dass Menschen mit psychischen und/oder psychosomatischen Beschwerden schnell professionelle (ärztliche bzw. therapeutische) Hilfe bekommen. Dadurch kann verhindert werden, dass sich die Störung weiter verschlimmert. Die betroffenen Menschen können so die Chance bekommen, wieder ins Leben zurückzufinden.

 

Viele Menschen, die an einer Traumastörung erkrankt sind, leiden zusätzlich an weiteren Krankheiten. Diese werden „Begleiterkrankungen“ genannt.

Häufige Begleiterkrankungen sind:

Panik- bzw. Angststörungen

  • Diese werden oft durch etwas ausgelöst, das die Betroffenen an das Trauma erinnert. Sie können aber auch ohne konkreten Anlass auftreten.
  • Sie zeigen sich durch starke Angst (ohne konkrete Bedrohung) und körperliche Reaktionen wie Herzrasen, Zittern, Atemnot, Schmerzen in der Brust, Übelkeit, Schwindelgefühl, Schüttelfrost, Hitzewallungen, Benommenheit, Gefühlslosigkeit oder Kribbeln im Körper.
  • Sie können Angst auslösen, „verrückt“ zu werden, zu sterben oder einen Herzinfarkt zu erleiden.

Depressionen

  • Diese zeigen sich durch fehlendes Interesse an Dingen, die zuvor Freude bereitet haben.
  • Weitere Kennzeichen sind eine langanhaltende Traurigkeit, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit, bis hin zum Wunsch, sich das Leben zu nehmen.

Alkohol- und Drogenmissbrauch

  • Alkohol und Drogen werden häufig genommen, um den Schmerz zu lindern oder zu betäuben. Auch werden dadurch die schrecklichen Bilder im Kopf verdrängt und das Einschlafen wird eher möglich.

→ Die Wirkung ist allerdings immer nur für kurze Zeit! Es müssen mit der Zeit immer mehr Alkohol oder andere Drogen genommen werden. Das kann zu einer Suchterkrankung führen.

  • Zu viel Alkohol und Drogen können dazu führen, dass eine medizinische oder therapeutische Behandlung nicht mehr wirkt. Außerdem werden Körper und Seele noch weiter geschädigt.

Medikamentenmissbrauch

  • Manche Medikamente können die Schmerzen, aber auch die schlimmen Erinnerungen lindern. Werden Medikamente aber zu oft oder zu lange genommen, zum Beispiel Schmerzmittel, dann gewöhnt sich der Körper daran. Das Medikament wirkt dann nicht mehr und die Schmerzen gehen nicht mehr weg.

Häufig werden dann noch mehr Schmerzmittel genommen, um trotzdem eine Wirkung zu spüren.
→ Auch Medikamente können abhängig machen. Manche führen bei übermäßigem Gebrauch zu körperlichen Schäden, zum Beispiel Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen.
→ Die Art und Menge der Medikamente sollte immer mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden und so eingehalten werden!

Weitere Störungen

  • das Gefühl von Einsamkeit trotz Unterstützung durch Familie und Freunde
  • die Sorge, nicht verstanden zu werden
  • Misstrauen, sich betrogen fühlen
  • Probleme, den Alltag aufrecht zu erhalten, Konzentrationsschwächen bei der Arbeit oder in der Schule
  • Ängste davor, im Dunkeln das Haus zu verlassen, nicht allein sein können
  • sehr selten auch psychotische Symptome, in Form von Halluzinationen und/oder Wahnvorstellungen
Entspannung in 5 Minuten

Wir können zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten unter Stress geraten. Hier haben wir keine Zeit uns vielleicht 30 Minuten oder länger zurückzuziehen. Deshalb hier ein Vorschlag, wie Sie bei wenig Zeit eine kurze Entspannung durchführen können.

Gehen Sie so vor:

Ziehen Sie sich an einen Ort zurück, wo Sie ungestört sind. Es kann das Auto, eine Bank im Park oder auch die Toilette sein.

Setzen Sie sich hin und schließen Sie die Augen. Beginnen Sie lang, aber tief einzuatmen und auszuatmen.

Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung und stellen Sie sich nun die stressauslösende Situation mit allen Ihren Sinnen vor. Atmen Sie weiter tief ein und aus.

Jetzt nehmen Sie ihre Hand und klopfen in einem langsamen aber klaren Rhythmus auf Ihren Oberschenkel.

Sie atmen ein und aus, denken an die stressauslösende Situation und klopfen leicht in einem Sekunden-Rhythmus auf Ihren Oberschenkel.

Machen Sie das 3-5 Minuten lang.

Öffnen Sie dann wieder Ihre Augen.

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