Pflege von Angehörigen und Familienmitgliedern

 

Die Pflege von kranken oder älteren Angehörigen und nahestehenden Menschen erfolgt meistens in zwei verschiedenen Situationen: Entweder wohnen die pflegebedürftigen Menschen in ihrem eigenen Zuhause oder sie werden in einem Heim oder einer anderen Hilfseinrichtung betreut und gepflegt.

Die Krankheitsbilder, die eine Pflege erforderlich machen, sind dabei unterschiedlich. Manche Menschen haben Krebsbeschwerden, andere leiden zum Beispiel unter Demenz. Entsprechend unterschiedlich ist auch der Pflegebedarf.

Der Umgang mit der Krankheit und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sind oft an sich schon eine große Herausforderung. Bei der Pflege in einer Einrichtung kommen in diesen Zeiten das Besuchsverbot bzw. Besuchseinschränkungen erschwerend hinzu.

Im Folgenden finden Sie Antworten auf Fragen, die sich momentan viele stellen:

Suchen Sie den Austausch mit anderen Personen, die für die Pflege von Menschen aus dem Familien- und Freundeskreis verantwortlich sind.

Frank Schumann zum Beispiel hat mit seinem Verein „Wir Pflegen“ dafür eine App namens „in-Kontakt“ entwickelt. Frank Schumann ist Leiter der Fachstelle für pflegende Angehörige im Diakonischen Werk Berlin. In einem Interview im Deutschlandfunk empfiehlt er auch die Angebote der örtlichen sozialpsychiatrischen Dienste.

Weiter ist die Internetseite Eldercare eine erste Anlaufstelle bei dieser Frage. Auf dieser Internetseite betont Stefanie Steinfeld, Diplomsozialpädagogin, die Bedeutung eines privaten Hilfenetzwerks. Dieses besteht aus Familienmitgliedern, Verwandten, Freund*innen oder Nachbarschaftshilfen wie Wir gegen Corona oder nebenan.de.

Für Informationen über professionelle Hilfsangebote, die auf die Pflege spezialisiert sind, gibt es die Datenbank für die Beratung zur Pflege von der Stiftung Zentrum für Qualität.

Als Arbeitnehmer*in haben Sie außerdem das Recht auf eine 10-tägige Arbeitsverhinderung. Kontaktieren Sie bei Bedarf Ihren Arbeitgeber.

Stellen Sie auch die medizinische Grundversorgung der pflegebedürftigen Menschen sicher. Sie brauchen ausreichend Zugang zu allen Medikamenten, die sie im Moment einnehmen. Achten Sie darauf, dass Sie die Medikamente, die Betroffene regelmäßig brauchen, für mindestens zwei Wochen auf Vorrat haben.

Bereiten Sie sich auch auf einen möglichen „Ernstfall“ vor. Das heißt: Informieren Sie sich vorab, wo man praktische Hilfe bekommt, wie zum Beispiel ein Taxi, Essenslieferung nach Hause oder medizinische Versorgung. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite des Instituts für Transkulturelle Gesundheitsforschung auf der Liste ‘Mitarbeitende mit ‘Älteren und Vorerkrankten in der Familie‘.

Nutzen Sie verstärkt die Kontaktwege, die noch möglich sind. Das können zum Beispiel Telefonate, Video-Telefonate oder Briefe sein. Fragen Sie nach, wie es Ihren Angehörigen oder Freund*innen aktuell geht.

Grundsätzlich empfiehlt sich auch die Kontaktaufnahme mit der Pflegeleitung (Interview mit einem Pflegeexperten im DeutschlandfunkEldercare). Falls Sie keinen Kontakt oder keine Auskunft bekommen, ist es wichtig, hartnäckig zu bleiben.

Die aktuellen Besuchsregelungen für jedes Bundesland finden Sie beim BIVA Pflegeschutzbund.

Halten Sie einen regelmäßigen Kontakt aufrecht! Nutzen Sie die Möglichkeiten von Telefon, Internet oder auch Post (Interview mit einem Pflegeexperten im Deutschlandfunk). Vereinbaren Sie möglichst regelmäßige Termine für den Kontakt.

Die Internetseite Eldercare bietet eine Liste mit weiteren Möglichkeiten und Anregungen an. Hierunter fallen vermeintlich „kleine“ oder „einfache“ Dinge wie Briefe schreiben oder Fotoalben schicken. Sie können auch selbst oder gemeinsam mit Ihren Kindern etwas basteln und diese Bastelkreation den Großeltern als Geschenk schicken. Schließlich besteht auch die Möglichkeit, den Angehörigen Nachrichten über das Pflegepersonal mitzuteilen.

Wenn die technischen Möglichkeiten da sind, können ältere Menschen in der Familie auch in das sogenannte Homeschooling eingebunden werden. Sie können jüngeren Kindern zum Beispiel über Telefon oder Internet Geschichten vorlesen.

Außerdem kann man den älteren Angehörigen Videos schicken, die Übungen zur körperlichen Bewegung speziell für ältere Menschen enthalten. Diese Videos findet man zum Beispiel in der Videoreihe ‚Älter werden – in Balance‘ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Viele ältere Menschen können die abrupten Veränderungen nicht verstehen (Eldercare). Sie fühlen sich unsicher und traurig. Manchmal können ältere Menschen auch vorwurfsvoll sein. Dann ist Geduld mit ihnen wichtig. Außerdem kann es erforderlich sein, dass man ihnen wiederholt erklärt, dass niemand diese Situation mit Absicht verursacht hat.

Hinzu kommt folgende widersprüchliche Beobachtung vieler Psycholog*innen (Interview aus der Zeit Cornelia Bertsch, Psychologin und Expertin für Gesundheitskommunikation): Ältere Menschen können oft sehr gut verstehen, dass sie besonders schlimm von einer Infektion betroffen wären. Trotzdem denken die meisten, dass sie nicht angesteckt werden. Ältere Menschen unterschätzen also oft die Risiken (Interview mit Cornelia Bertsch). Wenn Sie merken, dass ältere Angehörige oder nahestehende Personen die Ansteckungsgefahr unterschätzen, sollten Sie ihnen und ihren Gründen aufmerksam zuhören. Entwickeln Sie Verständnis für die Sicht der älteren Person (Interview im Spiegel mit Psychologin Elisabeth Raffauf zum Umgang mit älteren Menschen) Gleichzeitig sollten Sie die Risiken konkret benennen und erklären.

Das Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung gibt dafür konkrete Tipps in der Liste ‘Mitarbeitende mit Älteren und Vorerkrankten in der Familie‘:

  • Teilen Sie einfache Fakten mit über das, was vor sich geht!
  • Geben Sie klare Informationen darüber, wie man das Infektionsrisiko reduzieren kann!
  • Benutzen Sie Worte und Formulierungen, die ältere Menschen mit/ohne kognitive Beeinträchtigung verstehen können!
  • Wiederholen Sie die Informationen, wenn nötig!
  • Machen Sie klare, prägnante und respektvolle Anweisungen!
  • Es kann auch hilfreich sein, wenn man die Informationen in Schrift oder Bildern gibt.

Ältere Menschen, deren Denkfähigkeit abbaut und die durch Alzheimer oder eine Demenz erkrankt sind, reagieren mit stärkeren Gefühlen und Gefühlsausbrüchen. Das heißt, sie sind gestresster und ängstlicher (Insitut für Transkulturelle Gesundheitsforschung).

Hinzu kommt: Ältere Menschen mit Alzheimer oder einer Demenz können oft das Telefon oder digitale Medien nicht nutzen, um Kontakte zu pflegen. Sie wissen wegen ihrer Krankheit häufig nicht mehr, wie sie ein Telefon bedienen können (Interview mit einem Pflegeexeprten im Deutschlandfunk). Oder sie vergessen, welche Kontakte sie haben.

Wichtig ist, dass ältere Menschen mit Alzheimer oder einer Demenz einen    geregelten Tages- und Wochenablauf haben. Auch hier hilft ein fester Tages- und Wochenplan. Ähnlich wie Kinder können ältere Menschen mit diesen Erkrankungen dadurch ein Gefühl von Sicherheit bekommen.

Eine gute Quelle für praktische Informationen ist die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Sie bietet allgemeine Informationen zu Erkrankungen im Alter und verbindet dies mit der aktuellen Situation. Weiter gibt sie Antwort auf häufig gestellte Fragen speziell zum Thema Alzheimer-Erkrankung und Corona-Krise.

Schließlich gibt es auch in Apps Vorschläge zu Aktivitäten, die man mit Betroffenen machen kann.

Für diese Fragen empfehlen wir die Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen.

Weiter gibt der paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg aktuelle Informationen zur Situation in Betreuungseinrichtungen für Menschen mit Behinderungen und in sozialpsychiatrischen Einrichtungen heraus. Der Verband veröffentlicht auch Berichte mit aktuellen Studien, zum Beispiel zur Belastung in Familien aufgrund chronischer Behinderungen.

Online Beratung