Gewalt in der Familie

Wo finde ich Hilfe, wenn aus Streit Gewalt wird?

Stress, die räumliche Enge sowie das Wegfallen von Schutz- und Fluchtmöglichkeiten führen dazu, dass die häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder zugenommen hat.

Wichtig ist: Sie selbst haben keine Mitschuld daran, wenn Ihnen Gewalt angetan wird. Die volle Verantwortung dafür liegt bei der gewalttätigen Person! Jeder Mensch hat das Recht auf Respekt und auf körperliche und seelische Unversehrtheit!

Sie müssen sich nicht dafür schämen, wenn Sie sich in dieser Situation hilflos oder ohnmächtig fühlen. Und es liegt nicht daran, dass Sie zu schwach oder unfähig sind, wenn Sie sich nicht wehren können. Das ist vielmehr ein Teil der Gewalt. Sie sollen sich schlecht und machtlos fühlen. Dadurch hat die gewalttätige Person mehr Macht über Sie.

Gewalt in der Partnerschaft und Familie kommt leider häufiger vor, als man denkt. Allerdings wird wenig darüber gesprochen. Es ist wichtig zu wissen, dass Sie kein Einzelfall sind. Es gibt viele, die in einer ähnlichen Situation sind, wie Sie.

Wird die Gewalt durch nahestehende Menschen ausgeübt, dann ist ein Ausweg besonders schwierig. Oft ist damit ein Zwiespalt verbunden. Auf der einen Seite gibt es den Wunsch nach Beendigung der Gewalt und Sicherheit. Auf der anderen Seite kann es auch eine Angst vor dem Verlust der gemeinsamen Wohnung, des Sorgerechts für die Kinder, der finanziellen Existenz, vor Einsamkeit oder auch die Hoffnung auf eine liebevolle Beziehung mit dem Menschen geben. Oft wird auch gedroht, dass bei einer Trennung noch heftigere Gewalt folgt.

Holen Sie sich Hilfe!

Ein erster, sehr wichtiger Schritt ist es, sich jemandem anzuvertrauen. Das können Sie auch anonym am Telefon oder über das Internet machen. Es gibt spezielle Hilfeangebote für Betroffene von häuslicher Gewalt. Die Beraterinnen hören Ihnen zu, ohne Sie zu irgendeiner Maßnahme zu drängen. Manchmal kann es sehr viel helfen, zu wissen, dass man nicht allein ist.

Dort erfahren Sie auch, welche Schutzmöglichkeiten es gibt, welche Schritte dafür erforderlich sind und welche Konsequenzen diese haben können.

Es gibt die Möglichkeit, dass Sie zu Terminen bei der Polizei oder vor Gericht begleitet werden. Auch können Sie bei der Durchsetzung des Gewaltschutzgesetzes unterstützt werden. In manchen Fällen ist auch eine finanzielle Hilfe möglich, zum Beispiel für einen erforderlichen Umzug.

Hilfe- und Unterstützungsangebote

  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 08000/116 016. Das Hilfetelefon ist ein Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Die Beraterinnen unterstützen Betroffene egal aus welchem Land diese kommen. Eine Beratung ist in verschiedenen Sprachen möglich. Auch Frauen mit einer Behinderung finden hier eine gute Hilfe. Unter der Telefonnummer 08000/116 016 ist rund um die Uhr Hilfe erreichbar. Die Beratung ist anonym und kostet nichts.Eine Beratung kann auch online erfolgen, per Sofort-Chat zwischen 12 und 20 Uhr oder per E-Mail. Infos dazu finden Sie auf der Internetseite des Hilfetelefons.Auch wenn Sie nicht selbst betroffen sind, sondern Menschen aus Ihrem Familien- oder Freundeskreis, können Sie sich anonym und kostenfrei beraten lassen.
  • Opfer-Telefon des „Weißen Rings“: 116 006Der „Weiße Ring“ ist ein Verein, der Opfer von Kriminalität und Gewalt unterstützt. Er unterstützt alle, die mit einer Straftat konfrontiert wurden, auch Betroffene von häuslicher Gewalt. Die Beratung am Telefon ist täglich von 7 bis 22 Uhr erreichbar. Der Weiße Ring bietet auch eine Online-Beratung an. Über diesen Link bekommen Sie Informationen und den Zugang.
  • Hilfetelefon sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530Das „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ ist ein Hilfeangebot für Kinder, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Auch Familienmitglieder oder andere Menschen, die sich Sorgen um ein Kind machen, können sich dort beraten lassen. Falls Sie also einen Verdacht oder ein „komisches Gefühl“ haben, dass Ihr eigenes Kind oder ein Kind aus Ihrem sozialen Umfeld sexuell missbraucht werden könnte, können Sie sich anonym und kostenfrei telefonisch informieren und beraten lassen. Die telefonischen Sprechzeiten sind Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 14 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 15 bis 20 Uhr. Weitere Informationen finden Sie auf dem Hilfeportal Sexueller Missbrauch.

Helfen Sie Betroffenen!

Nicht immer haben von Gewalt Betroffene die Möglichkeit, an Informationen über Hilfemöglichkeiten zu kommen oder sich selbst Hilfe zu holen. Hier können Sie in Ihrer Nachbarschaft ganz einfach helfen, indem Sie zum Beispiel einen Aushang über Hilfemöglichkeiten in den Hausflur hängen. Vorlagen dafür finden Sie unter der Website der Initiative „Stärker als Gewalt“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Dort finden Sie auch Informationen, welche Anzeichen es dafür gibt, dass jemand von häuslicher Gewalt betroffen ist, und wie Sie helfen können. Seien Sie aufmerksam und helfen Sie, häusliche Gewalt zu beenden!

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