Neue Gemeinschaften

Solidarität, Gemeinschaft und gegenseitige Hilfe sind in Krisenzeiten besonders wichtig. Das zwangsweise vermehrte Zuhausebleiben, der Wegfall der Kinderbetreuung und die Arbeitssituation im Homeoffice können zu Konflikten in der Nachbarschaft führen. Gleichzeitig zeigt sich eine große Bereitschaft, andere Menschen zu unterstützen und neue Kontakte und Gemeinschaften zu pflegen. Damit dies gut gelingt, sind verschiedene Themen zu berücksichtigen.

In Krisenzeiten können sich durch die allgemeine Anspannung und durch die Veränderungen im Alltag Konflikte innerhalb der Nachbarschaft bzw. Hausgemeinschaft ergeben und zuspitzen.

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Vielleicht ist die Situation soweit erträglich, dass Sie warten können, ob sich durch eine Entspannung der allgemeinen Situation in Bezug auf Corona auch der Konflikt wieder löst. Zum Beispiel wenn Sie sich durch den Lärm von Kindern gestört fühlen, die aktuell nicht in die Kita oder Schule gehen können. Hier ist die Situation für die betroffene Familie sicher auch nicht leicht zur lösen.
Vielleicht kann ein klärendes Gespräch helfen, bei dem die Veränderungen im Alltag und möglicherweise veränderte Bedürfnisse miteinander besprochen werden. Zum Beispiel wenn Sie zu bestimmten Zeiten konzentriert im Homeoffice arbeiten sollten, Ihr Nachbar jedoch in dieser Zeit gerade sein Sportprogramm zuhause absolviert und dadurch Lärm verursacht. Im Gespräch könnten vielleicht Absprachen zu den jeweiligen Zeiten für Homeoffice und Sport gefunden werden.
Ist die Situation sehr belastend und eine Klärung mit der anderen Partei nicht möglich, scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützungsangebote zu nutzen!
Mediationsangebote können bei Streits schlichten und eine für beide Parteien tragbare Lösung finden. Manche Angebote haben sich bereits an die momentane Situation angepasst und helfen online (Konstruktive Konfliktberatung e. V.).

Es gibt durch die jetzige Situation für viele Nachbarschaften und Hausgemeinschaften auch viele Chancen. Viele Menschen möchten sich gerade jetzt gerne engagieren und hilfebedürftige Menschen unterstützen. Dies hilft nicht nur den Menschen, denen geholfen wird, sondern auch denen, die helfen. Auch ist ein Gefühl des Zusammenhalts oder der Zusammengehörigkeit gerade jetzt für viele wichtig.

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Um sich zu engagieren gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Zum Beispiel kann man für andere einkaufen gehen (Podcastbeitrag auf Deutschlandfunk). Damit hilft man Menschen, die durch eine Ansteckung mit dem Virus besonders gefährdet wären, sich zu schützen. Das ist besonders wichtig für ältere Menschen oder Menschen mit (chronischen) Vorerkrankungen. Diese legen zum Beispiel Geld und Einkaufszettel in einen Geldbeutel. Die Person, die hilft, holt das ab und kauft ein. Die Einkäufe stellen sie dann vor die Tür, wo sie den Geldbeutel samt der Liste abgeholt haben.
  • Weiter gibt es viele Hilfsangebote, die Personen bei der Abholung von Medikamenten oder bei der Kinderbetreuung helfen (Badische Zeitung). Dies kommt zum Beispiel alleinerziehenden Personen entgegen. Sie haben momentan oft eine extreme Belastung, weil sie Kinderbetreuung und Beruf (egal ob im Homeoffice oder außer Haus) unter einen Hut bringen müssen.
  • Es gibt auch Hilfemöglichkeiten, die sich nicht auf bestimmte Bedarfe beschränken. Auf der Internetplattform Wir gegen Corona, zum Beispiel, kann man sein Anliegen und sein genaues Problem eintragen. Dies sehen andere Personen, die dann gezielt ihre Hilfe anbieten können. Zudem kann man auch für alle sichtbar genau sein Hilfsangebot beschreiben. Zusätzlich gibt es unter der Woche einen kostenlosen Telefon-service. Ein ähnliches Angebot bietet die Plattform von nebenan.de.

Die gegenseitige Unterstützung bietet zwar viele Vorteile. Es gibt jedoch auch Fallen.

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Es besteht durch die Nachbarschaftshilfe eine hohe Wahrscheinlichkeit zur Ansteckung bzw. Weitergabe des Virus. Dies ist zum Beispiel in der Stadt Wuhan in China passiert, wo das Corona-Virus entdeckt wurde.

Wie kann ich mit bei der Nachbarschaftshilfe verhalten, um eine Weitergabe des Virus zu vermeiden? Worauf sollte ich besonders achten?
Hierzu gibt es konkrete Tipps (Interview aus dem Zeit Magazin mit Benjamin Maier, Epidemiologe am Robert-Koch-Institut):

  • Zentral ist, vermeiden Sie direkte persönliche Kontakte, die nicht unbedingt notwendig sind.
  • Halten Sie die Grundregeln ein, also nicht die Wohnung betreten, nicht die Hand schütteln, Schutzmasken tragen.
  • Konzentrieren Sie sich bei der Hilfe möglichst auf einen Haushalt. Vermeiden Sie dadurch, mit vielen verschiedenen Personen Kontakt zu haben.
  • Vermeiden Sie weite Wegstrecken, helfen Sie möglichst Menschen, die in der Nähe wohnen und die Sie ohne öffentliche Transportmittel erreichen können.
  • Bedenken Sie, auch der Rückzug bzw. das Vermeiden von persönlichen Kontakten kann eine Hilfe sein. Das mag widersprüchlich klingen, dadurch kann jedoch eine Ausbreitung des Virus beschränkt werden.
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